Vor 50 Jahren hätte Adolf wohl nicht gedacht, dass er sein gesamtes Berufsleben bei der BD – heute AVA – verbringen würde. Knapp 12'000 Mal ist er seither zur Arbeit erschienen. Heute ist er ein fester Anker in der Werkstatt und verbindet Generationen: Die Erfolgsgeschichte von Adolf, 65.
1975 begann Adolf seine Lehre als Mechaniker – nicht unbedingt mit der Bahn im Kopf, sondern mit dem Wunsch, Lastwagenmechaniker zu werden. Doch durch eine Empfehlung landete er in der BD-Werkstatt. Beim Schnuppern fehlte damals der Werkstattchef, also drückte ihm der Depotchef nur einen Eisenwürfel mit einem eingeschlagenen Körner in die Hand und sagte: „Feil den mal raus, dann sehen wir weiter." Adolf blieb – ohne je ein Bewerbungsschreiben verfasst zu haben. Als die BD den Schmalspurgüterverkehr einstellte, half Adolf mit seiner LKW-Prüfung als Chauffeur aus. Doch seine wahre Leidenschaft blieb die Werkstatt – von Revisionen, Reparaturen, über Bandagen drehen bis zum Fahren von Bauzügen und Rollbockzügen. Mit der Zeit wurde er Vorarbeiter, später Projektleiter Rollmaterial. Irgendwann stand die Entscheidung an, ob er auch Personenzüge fahren wolle – seine Antwort: „Ich fahr Züge, aber auf keinen Fall werde ich Kondukteur!" Heute ist er 1–2 Tage pro Monat als Lokführer auf der Bremgarten-Dietikon-Bahn unterwegs.
Seither hat Adolf einige Veränderungen miterlebt. Doch er hat immer mitgezogen: In den 90ern besuchte er abends Computerkurse, um sich fit für die neuen digitalen Systeme zu machen. Sein Wissen über die alten Fahrzeuge und seine Erfahrung bei Reparaturen sind bis heute unersetzlich. „Ich mag es, wenn ich Auskunft geben kann. Die Jungen können mit allen Fragen zu mir kommen – und ich lerne von ihnen, wenn's am PC klemmt."
Sein grösstes Herzensprojekt? Das Nostalgiefahrzeug „Sebni". Eigentlich zum Verschrotten vorgesehen, rettete er es gemeinsam mit Kollegen. Heute ist dieses als beliebter Nostalgiezug unterwegs. „Das ist das beste Pferd im Stall", behauptet er schmunzelnd" – auch wenn er hie und da dafür belächelt wird.
Adolf reduziert sein Pensum schrittweise und wird bis Ende 2025 er noch mit einem anderen Oldtimer beschäftigt sein. Aber komplett aufhören? Noch nicht. Falls jemand beim Lokpersonal ausfällt, springt er kurzfristig ein. Doch er freut sich auch auf seine Hobbies – zuletzt hat er zuhause einen alten Lastwagen revidiert, der ihn weiterhin auf Trab hält. Adolf – wie er leibt und lebt.
50 Jahre, über 96'000 Arbeitsstunden – das ist mehr als nur ein Jubiläum, das ist eine Lebensgeschichte mit der Bahn. Lieber Adolf, wir danken Dir von Herzen für Dein Engagement, Dein Wissen und Deine Leidenschaft. 💙🎊
Adolf in seiner Lehrzeit 1977
Adolf heute